„Jeder Unternehmer ist sein eigener Außenminister!“

Raimund Plautz, Innungsmeister der Kärntner Fleischer, spricht über Chancen und Herausforderungen im Süden.

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Herr Plautz, wie geht es Ihren Mitgliedern?
Plautz: Unseren Betrieben geht es gut, wir halten seit zehn Jahren ein stabiles Niveau. Natürlich kämpfen wir mit den gleichen Problemen wie anderswo, Kennzeichnungsverordnung, Registrierkassenpflicht et cetera. Aber es gibt auch immer wieder Erfolge der Bundesinnung, wie zuletzt die Erleichterung bei der Nährwertkennzeichnung. Handwerklich sind die Fleischer meist sehr spezialisiert, da hat jeder seine Nische und deshalb auch seine eigenen Vermarktungskanäle. Manche liefern regional an den Lebensmitteleinzelhandel, andere konzentrieren sich auf das eigene Fachgeschäft, und auch die Gastronomie ist ein Thema.

Wäre eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie ein positives Signal?
Plautz: Von gesetzlichen Zwangsmaßnahmen halte ich nichts. Viele Wirte machen es bereits freiwillig und geben nicht nur das Land an, sondern auch den Betrieb, der sie beliefert. Zusätzliche Vorschriften braucht es da nicht.

Wie sonst kann man den Qualitätsanspruch besser kommunizieren?
Plautz: Zuerst einmal sollten wir Qualität und Herkunft auseinanderhalten. Qualität ist, wenn das Fleisch hochwertig verarbeitet wurde und gut schmeckt. Dass der österreichische Konsument zusätzlich auf die Herkunft der Produkte achtet, ist sehr positiv für uns. Die Wertschätzung des Regionalen gibt es in anderen europäischen Ländern nicht in diesem Ausmaß. Kommunizieren muss das jeder Einzelne, am besten persönlich. Deshalb sind Veranstaltungen wie das Fest der Kärntner Fleischer nachhaltiger als etwa eine Einschaltung in der Zeitung.

Also ist Individualität der Schlüssel?
Plautz: Selbstverständlich, das macht ja ein Fachgeschäft aus. Jeder Unternehmer ist sein eigener Außenminister. Wenn jemand nicht in der Lage ist, sich selbst und seine Produkte zu vermarkten und zu verkaufen, dann wird er auch nicht erfolgreich sein.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Plautz: Wir haben derzeit zehn bis 15 Lehrlinge pro Jahrgang. Erfreulich ist, dass das Niveau der Lehrlinge wieder steigt. Wir haben da rigorose Kriterien geschaffen, nicht jeder besteht die Prüfung, denn es ist den Betrieben nicht zuzumuten, einen Facharbeiterlohn für eine schlechte Arbeitskraft zu zahlen.

Haben die jungen Fleischer trotz aller Aussagen noch Interesse, selbstständig zu werden?
Plautz: Diese Dinge sind für Leute in meinem Alter schwieriger, die Jungen sehen das pragmatisch. Die wachsen ja damit auf und lernen, es umzusetzen. Heute bei Null anzufangen, ist aber leider kaum noch möglich, was wir aber immer wieder sehen ist, dass Leute aus der bäuerlichen Direktvermarktung in das Gewerbe wechseln.

Welche Themen stehen 2016 im Vordergrund?
Plautz: Das Wichtigste ist zurzeit unsere neue Lehrwerkstätte, der Bundeslehrlingswettbewerb, der dort stattfinden wird, und die folgende nachhaltige Nutzung. Dazu kommen unsere jährlichen Aktionen wie das Fest der Fleischer, Grillen im Sommer, Verkaufsschulungen und Ähnliches.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Plautz: Weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Besinnung auf das Wesentliche, das Handwerk selbst. Die Bundesinnung macht ja gute Arbeit, es wäre nur an der Zeit, dass die Politik uns stärker zuhört.