Kreativ oder Karitativ

Brot ist gut, Brot ist wertvoll, Brot macht satt. Es gibt keinen einzigen guten Grund, warum Brot weggeworfen werden sollte. Einen Mehrwert in Form neuer Verwendungen von altem Brot heißt also die Herausforderung.

Es gibt keinen einzigen guten Grund  warum Brot weggeworfen werden sollte. © WaldherrEs gibt keinen einzigen guten Grund  warum Brot weggeworfen werden sollte. © WaldherrEs gibt keinen einzigen guten Grund  warum Brot weggeworfen werden sollte. © Waldherr[14579514102467.jpg]
Es gibt keinen einzigen guten Grund, warum Brot weggeworfen werden sollte. © Waldherr
„Gut“ wird von manchen Kunden mit „ofenwarm“ verwechselt. Dabei schmecken manche Brote am zweiten Tag besser als im ganz frischen Zustand. Da die Herstellung von Knödelbrot und Semmelbrösel nur dem tatsächlichen Bedarf entsprechend Sinn macht, gilt es, als Bäcker andere Wege zu gehen. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Ebenso gibt es viele Wege, was man als Bäcker mit Brot nach Ladenschluss alles machen kann. Innovation kann sich dabei auf den Vertriebsweg beziehen - oder auf das, was man aus dem Brot selbst macht.

Brot von Felzl - 365 Nächte im Jahr

Brot aus dem Automaten? Ja! Ein Brotautomat ziert die Backstube Felzl an der Ecke Schottenfeldgasse/Bernardgasse im siebten Wiener Bezirk. Er wird täglich nach Ladenschluss mit Brot und Gebäck des Tages befüllt, und diese werden über Nacht zu einem günstigeren Preis verkauft. Die geniale wie simple Idee wurde von der Designerin Katharina Dankl und Bäcker Horst Felzl entwickelt. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. An einem kalten Dezemberabend beobachtete ich kurz nach 20 Uhr nahezu im Minutentakt Käufer. Die Auswahl reicht von Brotlaiben über Gebäck bis zu Süßgebäck - je nachdem, was übrig geblieben ist.
Zielgruppen gibt es viele: jene, die spät von der Arbeit heimkommen - schließlich ist der Brotkauf im Supermarkt statt beim Bäcker auch eine Folge der Öffnungszeiten. Weiters Menschen, die sparen müssen, aber gutes Brot essen wollen. Und nicht zuletzt Nachtschwärmer, die zu späterer Stunde nochmals hungrig werden und am Brotautomat eine Art „Happy Hour“ zelebrieren können. Wobei die beobachtete Frequenz baldige Leere im Automat vermuten lässt, auch wenn er prinzipiell zwischen 20 Uhr und 6 Uhr geöffnet ist.
Der Brotautomat bei der Backstube Felzl in Wien wird täglich nach Ladenschluss mit Brot und Gebäck des Tages befüllt  und diese werden über Nacht zu einem günstigeren Preis verkauft. © DerndorferDer Brotautomat bei der Backstube Felzl in Wien wird täglich nach Ladenschluss mit Brot und Gebäck des Tages befüllt  und diese werden über Nacht zu einem günstigeren Preis verkauft. © DerndorferDer Brotautomat bei der Backstube Felzl in Wien wird täglich nach Ladenschluss mit Brot und Gebäck des Tages befüllt  und diese werden über Nacht zu einem günstigeren Preis verkauft. © Derndorfer[14579515688716.jpg]
Der Brotautomat bei der Backstube Felzl in Wien wird täglich nach Ladenschluss mit Brot und Gebäck des Tages befüllt, und diese werden über Nacht zu einem günstigeren Preis verkauft. © Derndorfer

Frisch von gestern

Während der Felzl-Brotautomat ausschließlich nachtaktiv ist, gibt es in manch anderen Bäckereien die Möglichkeit, Brot vom Vortag in der Bäckerei günstiger zu kaufen. Das Ganze geschieht also zu regulären Geschäftszeiten im regulären Geschäftslokal.
Einen anderen Zugang findet man in den Schweizer Städten Zürich, Bern und Winterthur. Hier sammelt die „Äss-Bar“ ein, was in verschiedenen Bäckereien im Großraum Bern und Zürich übrig bleibt und verkauft die Ware am nächsten Tag in eigenen Verkaufsstellen, darunter auch einem Food-Truck, zu einem günstigeren Preis. Die Bäckereien geben ihre Ware zwar gratis ab, sind aber dafür am Umsatz der Äss-bar beteiligt. Das Konzept funktioniert, wie die durchaus beeindruckende Anzahl an Partner-Bäckereien beweist.

Brot als Spende

SINN-voll im wahrsten Sinne des Wortes ist auch eine Brotspende an Vereine wie die Wiener Tafel, die täglich mehrerer Tonnen guter Lebensmittel vor dem Müll bewahrt und an Frauenhäuser, Obdachloseneinrichtungen oder Flüchtlingsquartiere verteilt. Das ist nicht nur sozial wertvoll, das ist ganz nebenbei auch gelebter Umweltschutz. Die Bäckereien Schrott und Geier sind Spender bei der Wiener Tafel.
Altes Brot wird auch an Tiere, etwa an Pferde, verfüttert. Die Brotreste werden getrocknet, bevor sie als Futtermittel dienen. Backwaren mit Fleisch dürfen nicht verfüttert werden. Zwischen mehreren Gestüten und Bäckern gibt es Kooperationen. Produktinnovation aus Brotresten „Innovation ist kreative Gestaltung mit Zukunftsblick“ (Joachim Nusch).
Zukunftsblick bedeutet bei Brot nicht nur weniger Müll, sondern auch Mehrwert in Form neuer Verwendungen abseits der besagten Brösel und Knödelbrot. Letztlich können aber auch Kunden mit Rezeptideen zur Brotverwertung inspiriert werden. Denn eines darf nicht vergessen werden: nicht nur in der Bäckerei bleibt Brot liegen, sondern auch in manchen Haushalten in der Brotlade.