Leitartikel

Am Ende der ÖBA/ÖKONDA-diegenuss in Wels 2013 war bei den Big Playern der Zulieferbranche noch alles eitel Wonne. Doch 2016 sind der Fachmesse massiv die wichtigsten Aussteller abgesprungen.

Die Chefredakteure: Mag. Doris Mittner und Johannes Rottensteiner © ArchivDie Chefredakteure: Mag. Doris Mittner und Johannes Rottensteiner © ArchivDie Chefredakteure: Mag. Doris Mittner und Johannes Rottensteiner © Archiv[14525924726812.jpg]
Die Chefredakteure: Mag. Doris Mittner und Johannes Rottensteiner © Archiv
Die Messe sei überraschend gut verlaufen und ein großer Erfolg gewesen, jubelten vor allem Backmischlieferanten und Aussteller aus dem zentralen Hallenbereich. An der Peripherie der Messehalle waren die Reaktionen schon gemischter und teilweise sehr negativ. Mit backaldrin und Pfahnl fehlten zwei wichtige Aussteller. Branchendoyen Peter Augendopler meinte damals im Interview, dass die Welser Verantwortlichen die Fachmesse mehr auf die Besucher zuschneiden müssten und nicht auf die Aussteller, und dass die Messe breiter im Angebot werden müsste. Inwieweit die Messe auf diese Kritik eingestiegen ist, sei dahingestellt.
Tatsache ist, dass der Fachmesse 2016 massiv die wichtigsten Aussteller abgesprungen sind. Von vielen bekamen wir auf unsere Nachfrage ein vielsagendes „Kein Kommentar“, andere äußerten ihr ausgesprochenes Bedauern und gaben sich gesprächiger. Die Gründe dürften vielfältig sein: Einerseits laufen den Ausstellern die Kosten davon. Die Welser Messe scheint bei einigen den Ruf eines „Apothekers“ unter den Messeveranstaltern zu haben. Das hat einige internationale Konzerne dazu bewogen, ihr „Njet“ zur Messepräsenz ihrer rot-weiß-roten Töchter zu geben. Auch die immer stärker werdende Konkurrenz durch die südback in Stuttgart darf nicht unterschätzt werden.
Weiters scheint die Kommunikation zwischen Messe und IGEBA nicht optimal verlaufen zu sein, wenn man Heinrich Worenz von der Interessengemeinschaft der Bäcker glauben darf. Sogar die Bundesinnung bekommt in mehreren Statements ihr Fett weg. Der Vorwurf lautet, „zu wenig Unterstützung und Rückhalt“ sei bei den Bemühungen um den Erhalt der Branchenveranstaltung aus der Wirtschaftskammer gekommen.
Was jetzt? Wer die Gesetzmäßigkeiten des Messewesens kennt, der weiß, die ÖBA/ÖKONDAdiegenuss in dieser Form ist gestorben. Die Bäcker werden sich in den nächsten Jahren nicht vermehren, wenn man beobachtet, wie sehr die Supermärkte und Diskonter Brot und Gebäck als neues Schlachtfeld ihrer Aktionitis auserkoren haben. Viele größere Bäcker liefern in den Lebensmitteleinzelhandel und an die Diskonter und sehen darin und in der Filialisierung samt Gastrokonzepten das Heil. Die kleinen Betriebe müssen dringender denn je danach trachten, ein eigenständiges Profil zu entwickeln und ihre Nische in den Regionen zu finden.
Schade um eine tolle Fachmesse, bei der am Schluß der schale Geschmack bleibt, dass sich zu viele trotz aller Lippenbekenntnisse nicht ausreichend um den Erhalt dieser Institution bemüht haben. Ein typisch österreichisches Schicksal, das auch schon andere Branchen erlebt haben.