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Stefan Feigl hat sich mit seinerKonditorei einen Kindheitstraum erfüllt. © Andrea Sturm

Reportage

Vom Torten-Start-up zur klassischen Konditorei

Ein Artikel von Andrea Sturm | 31.03.2026 - 21:16

Eigentlich wollte ich ja schon mit sechs Jahren Konditor werden“, verrät Stefan Feigl im Interview, „ich stamme aus dem Südburgenland mit seiner Hochzeitsbäckerinnentradition, und ich habe schon als Kind am liebsten meiner Mutter beim Backen geholfen.“

Nach einer Ausbildung an der Hotelfachschule ging er als Patissier auf Saison und arbeitete in bekannten Vier-Sterne-Hotels in Lech am Arlberg und Pörtschach am Wörthersee. Dann aber zog Stefan Feigl der Liebe wegen ins Mürztal und arbeitete mangels freier Stellen im Hotel- und Konditoreibereich stattdessen als Filialleiter bei einer großen Supermarktkette. Die Leidenschaftfür das süße Gewerbe ließ ihn dennoch nicht los, und 2020 entschloss er sich, noch einmal ganz neu anzufangen.

Expansion im Turbo-Modus

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Auch Schokoladen gehören zum Sortiment des kreativen Konditormeisters. © Andrea Sturm

Er machte die außerordentliche Lehrabschlussprüfung und gleich danach berufsbegleitend die Meisterschule in Bad Gleichenberg. „Wir waren zu viert bei der Meisterprüfung, und obwohl ich als Einziger keine klassische Konditorlehre gemacht hatte, habe ich als Einziger mit Auszeichnung abgeschlossen. Das hat mich natürlich sehr stolz gemacht“, erzählt Feigl.

Gleich danach richtete er sich eine eigene Backstube im Keller seines Hauses ein und begann, die regionalen GenießerInnen mit Bedarfstorten sowie Kuchen und Keksen auf Bestellungzu versorgen – im Gassenverkauf über den eigenen Carport. „Die Nachfrage war von Anfang an groß“, erzählt er, „ich hatte erst einmal nur an ein Einzelunternehmen mit Wochenendverkauf gedacht, aber es ist so gut gelaufen, dass ichmeine Arbeitszeit im Supermarkt halbiert habe und mir mir nach sechs Monaten eine Teilzeitmitarbeiterin suchen musste.“

Nach einem Jahr war auch die Keller-Backstube zu klein, und Feigl fand ein Geschäftslokal imZentrum von Langenwang, das ebenfalls inWindeseile umgebaut wurde. „Anfang 2021 habe ich die Konditorei zu meinem Vollzeitjob gemacht, und im April 2022 war die neue Backstube fertig“, erinnert er sich. „Zuerst wollte ich dort mit zwei oder drei MitarbeiterInnen anfangen, aber es wurden dann gleich einmal sechs – ich hatte viele Bewerbungen und es war abzusehen, dass die Arbeit nicht weniger wird.“

Das Geschäftslokal in Langenwang bot Platzfür die Backstube und ein Verkaufslokal –aber nicht für ein Café mit Sitzplätzen. Ein solches eröffnete Stefan Feigl Mitte 2025 im benachbarten Krieglach. „Die Konditorei Florian dort hätte sonst zugesperrt, und das wäre schade gewesen. Unsere Kunden haben schon lange angeregt, dass sie sich über ein Café mit unseren Mehlspeisen freuen würden, und es gibt in der Region auch zu wenig gemütliche Treffpunkte“, erzählt er. Nebenden beliebten Mehlspeisen gibt es im Café auch ein regional geprägtes Frühstücksangebot und Kaffeespezialitäten. Insgesamt arbeiten bei Stefans Torten und inStefans Café mittlerweile 24 MitarbeiterInnen, und für den süßen Hunger außerhalb der Geschäftszeiten setzt Feigl zusätzlich auf Tortenautomaten, die ebenfalls sehr gut angenommen werden.

Klassiker und Innovationen

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Stefans Torte ist eine vielfältige Geschmackskomposition. © Stefans Torten

In der Vitrine stehen Klassiker wie Sachertorte und Kardinalschnitte und gleich daneben die kreativen Eigenkompositionen vonStefan Feigl, gerne mit Regionalbezug. N-ben dem Punschwürfel in Rosa steht der Steirer-Punschwürfel in Lindgrün, der mit Kernöl und Kürbiskernen punktet. Ganz besonders beliebt ist „Stefans Torte“. Das Rezept hat Stefan Feigl für seine Meisterprüfung kreiert. Die Kombination von Schokolade, Nougat und Himbeere erfreut den Gaumen mit einer Mischung aus Cremigkeit, Nussgeschmack und  säuerlicher Frucht. Außerdem kommen aus der Backstube auch Schokoladen und Pralinen in vielfältigen Variationen, darunter auch wieder eine besondere Idee mit Regionalbezug: Die Peter-Rosegger-Noschkugeln aus Zwetschken, Nüssen und Zimt entstanden anlässlich des 180. Geburtstags des steirischen Dichters.

Dazu kommen noch Dinge, die man in einer Konditorei auf den ersten Blick nicht vermutet, wie Müsli und Marmeladen. Die Müslis sind weizenfrei und karamellig mit Rohrzucker gesüßt, die Marmeladen lassen mit pfiffigen Kombinationen wie Himbeer-Vanille oder Heidelbeer-Zitrone geradezu aufschmecken. „Diese Produkte haben wir speziell für das Frühstücksangebot im Café entwickelt“, erzählt Stefan Feigl, „und wenn es den Gästen schmeckt, können sie gleich ein Glas für zuHause mitnehmen.“

Wichtig ist dem Konditormeister auch die Handarbeit – nicht nur Backmischungen haben in seinen Spezialitäten nichts verloren, auch Cremen, Füllungen und Dekoration werden nicht zugekauft, sondern vor Ort gefertigt. Teebäckerei, handgemachte Faschingskrapfen, Plunder- und Germmehlspeisen vervollständigen das Sortiment.

Regionale Kooperationen

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Viel Handarbeit in der Backstube. © Andrea Sturm

Vernetzung in der Region ist ein zentraler Punkt in Stefan Feigls Betriebsphilosophie. So kommen etwa die Beeren von einem Hof in der Nähe, auf dem im Gegenzug ein Tortenautomat Zugang zu den fertigen Köst-lichkeiten bietet. Das Gebäck für das Frühstück im Krieglacher Café wird aus einer nahe gelegenen Bäckerei bezogen. „Es hat schon seinen Grund, warum Bäcker und Konditor unterschiedliche Berufe sind“, ist Stefan Feigl überzeugt, „und vom Austausch profitieren immer beide Seiten.“

Obwohl das Café gut besucht ist, kommt der Großteil des Umsatzes doch von Mitnahmeverkäufen. „Da hat sich offenbar etwas grundsätzlich verändert. Viele Kollegen erzählen, dass die Aufteilung vor Corona ganz anders war“, so Feigl. Ebenfalls regional sind seine Backkurse. Bis zu zwölf TeilnehmerInnen können dabei lernen, wie man Macarons, Pralinen oder Törtchen zubereitet. Neben den Mitmachkursengibt es auch Vorführkurse für Tortenklassikerwie die Kardinalschnitte. „Die Kurse sind immer sofort ausgebucht, wenn ich sie ankündige. Aber mehr als bisher möchte ich auchnicht machen. Unser Fokus liegt auf der Konditorei – und das soll auch so bleiben.“

Den Nachwuchs fördern

Ganze fünf Lehrlinge bildet Stefan Feigl derzeit aus. „Das war eigentlich nicht so geplant– ich hätte eher an jeweils einen oder eine pro Jahr gedacht“, erzählt er, „aber als wir die Konditorei in Krieglach übernommen haben, wollte ichdie zwei Lehrlinge dort nicht im Regen stehenlassen.“

Auch davor hatte er keine Probleme, geeignete junge Men-schen zu finden. „Ehrlich gesagt habe ich nie nach Lehrlingen gesucht: wir haben mehr Bewerbungen, als wir annehmen können.“ Der gute Ruf in der Region hat sich schnell herumgesprochen. „Natürlich haben nichtalle gleich gute Voraussetzungen, aber sie sind alle brav und motiviert“, so Feigl. Besonders freut er sich über den dritten Platz von seinem Lehrling Lena Glanz bei den steirischen JuniorSkills im Jänner: „Sie hat mich gefragt, ob sie mitmachen darf, und natürlich haben wir sie so gut wie möglich unterstützt“, erzählt er, „und so ein Erfolg motiviert natürlich auch alle anderen.“

Qualitätsbewusst in die Zukunft

Weitere Expansion strebt Stefan Feigl derzeit nicht an, schließt sie aber auch nicht aus. Wichtig ist ihm vor allem die Konditorkunst und das Miteinander: „Mir geht es nicht um den großen Reichtum oder Statussymbole als Unternehmer. Ich will meine Rechnungen zahlen können, sicher, aber mein Herz schlägt für das Handwerk. Mein Ziel ist es, dass meine Leute gerne hier arbeiten und wir gemeinsam die Tradition des Konditorberufs weiterleben lassen. Es ist ein wunderschöner Beruf, den wir mit Stolz in dienächste Generation tragen sollten."